Die Speaker-Szene besteht aus Oberflächenspirituellen


Die Spirituelle-Speaker- und die Lebenscoaching-Szene quillt über von spirituellen Nebelschwaden.

Da wird einem blumig erklärt, worum es im Leben angeblich geht und was man tun muss, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Niemanden fällt auf, dass das niemand jemals erreicht hat.

 

Erst musst du noch an dir arbeiten – dann kommt das Glück

Unsere erfolgreichsten Profi-Esoteriker streuen in Seminaren und Vorträgen enormen Sprühnebel.

Da wird einem gesagt, man solle einen Beruf finden, der Berufung ist. Man solle mit Intuitionstraining das Unterbewusstsein zum Erreichen seiner Ziele einsetzen. Man solle seine intrinsische Motivation finden. In der Partnerschaft mehr geben als nehmen. Sich Ziele setzen, die den anderen dienen. Statt aus Angst aus Liebe handeln.

Man solle sich selbst besser kennenlernen und annehmen. Alte Ängste und einschränkende Glaubenssätze überwinden. Dankbarkeit und Liebe im Alltag leben. Sich mit den eigenen Werten und Bedürfnissen verbinden. Beziehungen bewusster und liebevoller gestalten. Sich mit etwas verbunden fühlen, das über das eigene Ich hinausgeht.

Man solle seine Fähigkeiten entwickeln. Man solle Dankbarkeit und Zufriedenheit entwickeln, seinen eigenen Weg finden, statt fremde Erwartungen zu erfüllen, das Leben bewusst erleben und etwas hinterlassen, das für andere Menschen Bedeutung hat. Und natürlich darf der Klassiker nicht fehlen: Man solle sich selbst lieben. 

So geht es weiter und weiter und weiter.

Man reiht hunderte spirituelle Staubwolken aneinander, gegen die niemand etwas einzuwenden hat. 

Nur die Frage bleibt: WAS ist das alles genau und WIE mache ich das? "Ängste überwinden" , "Sich mit den eigenen Werten und Bedürfnissen verbinden", "sich selbst lieben" usw.

Die Antwort ist Schulterzucken. Das Problem ist: Die meisten Zuhörer können nicht unterscheiden, ob etwas Substanz hat oder nur nach Substanz klingt. 

 

Der grösste Irrtum heisst Selbstliebe

Besonders beliebt bei den Fassaden-Spirituellen ist die Selbstliebe. Man müsse sich wertschätzen und vor allem selbst lieben.

Niemanden fällt auf, ​dass die Voraussetzung nicht existent ist: Was, wo, wer genau soll dieses Selbst sein, das ich lieben soll?

Wir haben lediglich eine Fremd-Vorstellung von uns selbst. Diese Vorstellung wird durch den vorgestellten Blick von anderen auf uns erzeugt. Ein Bild davon, wie andere uns sehen, wie wir auf andere wirken und welche Funktion wir für sie haben. Das halten wir für unser Selbst.

Unser scheinbares Selbst ist ein Sammelsurium aus Hunderten von Rollen, die wir in den Augen der anderen darzustellen versuchen. Das wechselt mitunter dutzendfach pro Tag. Tausendfach pro Jahr. Jenseits davon gibt es in Wahrheit nichts, was ein greifbares Selbst darstellen könnte. 

Ich kann keine "Mutter" sein ohne andere, die mich als das sehen. Ich kann nicht hilfsbereit sein ohne andere Menschen die das in mir sehen. Wenn ich den Blick anderer Menschen auf mich wegnehme, fällt jede Identität zusammen. Unser "Ich" besteht aus zusammengesetzten, ständig wechselnden Fremdwahrnehmungsbildern.

Wir verteidigen diese Fremdwahrnehmungsbilder mit Händen und Klauen. Freude entsteht, wenn andere es gut finden. Wir leiden, wenn sie es nicht gut finden. Wir haben nichts anderes!

Dieses angebliche "Selbst" ist wie ein Regenbogen, der nur bei einem bestimmten Winkel in den Augen des Betrachters entsteht. So ist es auch mit unserem "Selbst", mit unserer Identität. Diese Fata Morgana einer Identität, die erst durch die Wahrnehmung der anderen entsteht, bekommt das Etikett "Selbst", ist aber leer.

Selbstliebe kann es nicht geben, weil es dieses ohne äussere Betrachter nicht existierende Selbst gar nicht gibt. Ein Regenbogen kann sich nicht selbst lieben, denn er ist nur eine Projektion. Genauso ist es mit unserem Selbst.

Was wir Selbstliebe nennen, ist lediglich die Zuneigung zu unserem virtuellen Fremdwahrnehmungsbild.

Dieses nicht existierendes Selbst kann man nicht lieben. Sie können nur die positive Fremdwahrnehmung, die Anerkennung die Sie von anderen bekommen lieben. Wenn diese Fremdwahrnehmung aber nicht mehr da ist, oder gar in Hass und Kritik wandelt, fällt jede angebliche "Selbstliebe" in sich zusammen. Ohne mindestens eine andere Person, auf die sie sich stützen können, die ihnen als letzte Bastion den garantierten positiven Fremdblick gibt wird ihre augenscheinliche "Selbstliebe" wie ein Kartenhaus zusammenstürzen. Jeder hat das hundertfach erlebt 

Wenn die Oberflächenspirituellen sagen, ich solle mich selbst lieben, verheimlichen sie, dass das noch nie jemand geschafft hat. 

Ein "Selbst" gibt nämlich es nicht.

Selbstliebe ist unmöglich!

 

Kopiertes Wissen

Diese Speaker und Livecoaches sind Radieschen-Spirituelle - sie haben aussen an der Oberfläche einen roten spirituellen Fassadenanstrich, aber der ist nur Millimeter-dick und geht nicht in die Tiefe - innen sind sie weiss - dort ist alles beim Alten. 

Sie sind Kopisten von Sprüchen, die sie irgendwo in anderen Büchern, im Internet und Social Media gefunden haben und nun emsig auf ihrem eigenen Account und auf Bühnen verbreiten. An der Oberflächlichkeit der Sprüche erkennt man, dass sie selber nichts über das Leben verstanden haben.

Sprüche über Tiefe sind noch keine Tiefe.

Deswegen proklamieren alle auch diese nicht existierende Selbstliebe -  weil sie einfach nur kopieren, was alle anderen so von sich geben, ohne je selbst in die Erforschung zu gehen. "Selbstliebe" wiederholt halt jeder, also wiederhol ich's halt auch.

 

Das Videospiel, das noch niemand gewonnen hat

Stellen Sie sich vor, da gibt es ein Videospiel.

Die Figuren innerhalb des Spiels bekommen Ziele. Sie sollen ein Imperium gründen, Allianzen schmieden, Siedlungen aufbauen und Länder erobern. Sie sollen aus einer kleinen Siedlung eine mächtige Stadt machen. Sie sollen Reichtum anhäufen, eine Dynastie gründen, Rückschläge überwinden und etwas hinterlassen.

Sie kämpfen, planen, gewinnen und verlieren. Sie wollen ihre Position verbessern und möglichst viele Punkte sammeln.

Aber noch nie wurde ein Gewinner ausgerufen. Denn niemand erkannte den wahren Sinn des Spiels. Der Sinn besteht gar nicht in all den augenscheinlichen Zielen, sondern das Ziel des Spiels ist zu erkennen, dass man eine virtuelle Figur in einem virtuellen Videospiel ist.

Deshalb hat noch niemand gewonnen.

 

Meine Erkenntnis

Genau das ist unser Leben.  Das Ziel des Lebens ist nicht etwas zu hinterlassen, Beziehungen zu pflegen, Berufung finden... Sondern das Ziel des Lebens ist zu erkennen, dass wir eine virtuelle Figur in einem virtuellen Videospiel sind - Erkenne, dass weder wir noch die Welt real sind und nichts eine Bedeutung hat. 

Sie werden den Frieden mit sich selber, den Frieden mit der Welt niemals erreichen mit all diesen Nebelsprüchen und den oberflächlichen Lebenszielen:  Sich selbst zu lieben, seine Träume zu verwirklichen, seine Beziehungen zu verbessern, seine  Berufung zu finden, etwas Sinnvolles zu hinterlassen, aus Liebe statt aus Angst zu handeln...

Und selbst wenn es möglich wäre, diesen spirituellen Nebel in konkrete Dinge zu übersetzen, würde immer noch Angst unser Leben regieren, und die Todo Liste uns den Schlaf rauben.

Der Sinn des Lebens in vier Worten:

Es geht um nichts.

 

 


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