Wer choreografiert die Handlung in Ihrem Nachttraum?


 

Wenn Sie nachts träumen, tun Sie im Traum oft Dinge, die Sie im echten Leben nicht tun würden.

Sie begegnen Helene Fischer, obwohl sie Sie im echten Leben nicht interessiert – die will Ihr Auto kaufen, das Sie im echten Leben nicht besitzen. Und Sie handeln den Preis hoch – aber das machen Sie auch im echten Leben. Absurd.

In einem anderen Traum wandern Sie in einem Steilgebirge auf einem schmalen Pfad entlang, und Sie drohen ständig in die abgrundtiefe Schlucht zu fallen, die sich neben Ihnen auftut.

Alles komplett unlogische, unzusammenhängende Geschichten.

Diese Geschichten haben Sie sich niemals selbst ausgedacht. Aber Sie erleben sie.

 

Wer entwickelt diese Geschichten?

Jetzt die entscheidende Frage: Wer oder was entwickelt Nacht für Nacht den Ablauf dieser wahnwitzigen Erlebnisse?

Es passiert ohne jegliche Kontrolle von Ihnen. Sie bekommen sowohl Bilder geschickt als auch Gedanken, als auch Ihre gesprochenen Texte, als auch die Texte von allen anderen Beteiligten, als auch  Landschaften und Handlungsabläufe...

Sie würden niemals sagen: ICH habe das aktiv entwickelt.

Aber wer ist der Hollywood-Regisseur, der Sie diesen Film erleben lässt?

 

Das Unterbewusstsein als Erklärung

Wenn Sie jetzt die mechanische Antwort geben: „Ja, das ist das Unterbewusstsein“, dann seien Sie sich bewusst, dass das Unterbewusstsein nur eine Hypothese ist. Es ist ein theoretisches Konstrukt, ähnlich wie Himmel, Hölle und Fegefeuer. Ein Unterbewusstsein ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Es wurde von Sigmund Freud postuliert, aber niemand weiss, wo das im Hirn sein soll, welche Zellen daran beteiligt sind und wo es anfangen und wo aufhören soll.

Das «Unterbewusstsein» ist also nur ein Etikett, um etwas Hypothetischem einen Namen zu geben, das aber ohne eine reale Existenz ist. Aber es bleibt die Tatsache: Ihnen werden Geschichten, Gedanken, Texte und Landschaften geschickt – und Ihr waches Bewusstsein ist nicht im Geringsten daran beteiligt.

Woher kommt das alles?

Zwei Dinge sind sicher: 1) Es kommt nicht von Ihnen selbst  2) Sie haben keinerlei Kontrolle darüber.

Aber Sie haben dabei trotzdem den Eindruck, dass Sie das selbst alles gerade tatsächlich erleben.

All das kommt nicht aus dieser «Quelle», von der Sie sich tagsüber felsenfest sicher sind: Ja, ich habe das aktiv gedacht oder ich habe das entschieden.

 

Sind Sie auch tagsüber nicht der Täter Ihrer Gedanken?

Es gibt also ein von Ihnen selbst anerkanntes Phänomen, dass in Ihren Gedanken etwas passiert, für das Sie nicht verantwortlich sind. Sie erleben Träume als "eigen", aber sie sind nicht eigen. 

Jetzt die spannende Feststellung: wenn Sie sich einmal genau beobachten: Genau dasselbe passiert mit Ihren Gedanken, die tagsüber kommen.

Sie laufen durch die Stadt und plötzlich sehen Sie zufällig eine Person, die in einem Abfallkorb nach Pfandflaschen sucht. Plötzlich kommt dieser Gedankenkommentar, der wie ein Pfeil durch Ihr Hirn schiesst: „Der arme Kerl.“ „Meine Angst vor dem sozialen Abstieg.“ „Ich will nicht, dass er sich unwohl fühlt, wenn ich glotze – zwing dich in eine andere Richtung zu schauen.“
Diese Gedanken können Sie weder steuern noch verhindern. Sie kommen einfach von irgendwoher – ohne Ihre Kontrolle.

Bei genauerem Hinsehen sind Sie, wie im Nachttraum, nicht Täter Ihrer Gedanken, Sie sind Opfer Ihrer Gedanken. Der einzige Unterschied ist: Sie sind wach und haben das Gefühl: Das habe ich jetzt aktiv gedacht.

Diese Gedanken, die Sie für sich selbst halten, kommen genauso wie Ihre Nachträume nicht von Ihnen "selbst" – dieses Selbst ist genauso wie das Unterbewusstsein nirgendwo lokalisierbar. Gedanken werden Ihnen geschickt. Und zwar ALLE Gedanken. Wie im Nachttraum, so auch am Tag.

 

Die Befreiung

Sie sind ein fremdgesteuerter Roboter, der keinerlei Eigenleben hat, sich aber ein Eigenleben einbildet.

Das macht Sie schuldlos – das macht auch alle anderen schuldlos.

Das ist die Befreiung.


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